Deutschlands erster taubblinder Diakon seit Januar in Rente
Behutsam und mit Fingerspitzengefühl entfernt Peter Hepp an diesem kalten Morgen das Dienstschild von der Mauer am Eingang seines Hauses: „Das brauche ich ja jetzt nicht mehr…“
gebärdet der 64jährige. Seit dem ersten Januar ist der erste deutsche taubblinde Diakon nun im Ruhestand. „Ich nenne es „Ruhegang“, denn ich bin zwar vom Dienst als Seelsorger für Menschen mit Taubblindheit entbunden, aber Diakon bleibe ich bis zu meinem Lebensende, ergänzt er.
Am Sonntag, den 18. Januar wurde er in einer feierlichen Messe in der Kirche Auferstehung Christi in Rottweil von Hr. Dekan Rüdiger Kocholl amtlich verabschiedet. Über hundert Gottesdienstbesucher mit und ohne Hörbehinderungen oder Taubblindheit sind gekommen um mit ihrem Diakon den Übergang in den Ruhestand zu feiern.
Peter Hepp hat die Seelsorge bei Menschen mit Hörsehbehinderung / Taubblindheit der Diözese Rottenburg-Stuttgart, 25 Jahre lang geleitet. Diese deutschlandweit einzigartige Stelle hatte der damalige Bischof, Dr. Gebhard Fürst befürwortet und ins Leben gerufen, was im Juli vergangen Jahres bei der Jubiläumsfeier im Bischofshaus in Rottenburg gebührend gefeiert worden war.
Kein anderer hat so sehr dazu beigetragen, die doppelte Sinnesbehinderung mit all ihren Folgen bekannt zu machen. Sein Dienst war bei weitem nicht nur innerkirchlich. In zahlreichen Vorträgen und Begegnungen mit Vertretern aus Politik und Gesellschaft zeigte sich der Seelsorger als Anwalt und Sprecher für einen kleinen Personenkreis von Betroffenen, die er stets als seine „Schicksalsgenossen“ bezeichnete. Wer hätte sich besser in deren Situation einfühlen können als einer, der selbst seit über dreißig Jahren ein Leben als taubblinder Mensch führt. „Die Taubblindheit ist mein Lehrmeister“, pflegte der Träger des Bundesverdienstkreuzes oft zu antworten, wenn er gefragt wurde, woher er sein umfangreiches Wissen hätte.
Dekan Kocholl würdigte Diakon Hepp in seiner Rede als einen Menschen der weit über die Grenzen der Diözese Rottenburg-Stuttgart gewirkt hat. Er sei sogar im Internet auf Youtube präsent in einem Video, das mit den 1,1 Millionen Clicks durchaus sehenswert sei, erklärte er schmunzend.
Dass sein Dienst weit vernetzt war zeigt sich auch in der Vielfalt der Gäste. KollegInnen aus der Diözese, sowohl katholische als auch evangelische MitstreiterInnen und weitere engagierte SeelsorgerInnen aus ganz Deutschland sind nach Rottweil gekommen um sich zu verabschieden. Nach dem Gottesdienst wurden alle im Gemeindezentrum der Kirche Auferstehung Christi bewirtet und in den vielen Gastbeiträgen kam deutlich zum Ausdruck, wieviel Peter Hepp in all den Jahren geleistet hat, aber auch wie sehr er nun fehlen wird.

Auch auf die Frage, was er denn nun tun werde, gibt der weiterhin viel beschäftigte „Ruhegängler“ offen Antwort. Er werde weiterhin schreiben, für Fachzeitschriften, wie er es in den vielen Jahren zuvor bereits getan hat.
„Nachdem ich nun so oft umgezogen bin in meinem Leben, ist Rottweil der Ort, an dem ich am längsten geblieben bin. Somit ist das nun meine neue Heimat.“ Er gehe nun in den „Ruhegang“ nicht Ruhestand, betont der 64jährige. Den Rottweilern bleibt er erhalten, denn auch die Rolle als „Botschafter für die Landesgartenschau 2028“ bedeutet ihm viel. „Das passt auch gut zu meinem neuen Lebensabschnitt“, so Diakon Hepp.
Text: Maita Hepp, Fotos: Peter Hepp
