Impulse und Mitteilungen
Hier finden Sie „Orientierung“: Impulse und Mitteilungen der Kirchengemeinden Rottweils über aktuelle Themen, Anstöße für den Alltag und Hinweise zu bevorstehenden Festen. Alle Artikel erscheinen alle zwei Wochen in der Samstagsausgabe des Schwarzwälder Boten.
Orientierung 18 vom 05. September 2026
Impulse für den Alltag
Denn sie sind wie ich
Von Michael Becker
Heute wird es anstrengend. Ich will versuchen, Ihnen die Kreuzestheologie näher zu bringen. Lesen Sie bitte zuerst den Leitartikel. Dieses Gefühl von Enttäuschung und Wut kennen wir alle in der einen oder anderen Form.
Niemand hat die perfekte Kindheit gehabt. Jeder hat seine wunden Punkte, die er entweder versteckt oder mit etwas übertüncht. Aber sind wir deshalb auf ewig in unseren Wunden gefangen?
In gravierenderen Lebensgeschichten mit tiefen Wunden helfen Psychotherapeuten, für „gesunde“ Menschen schlägt Jesus folgendes vor: Wenn du mein Jünger sein willst, dann … nimm dein Kreuz auf dich und folge mir nach.
Wir sagen, dort am Kreuz habe er alle unsere Wunden getragen und erlöst. So kann man es sehen: In einem falschen Prozess haben seine Gegner in Verleumdungen und Lügen alles Üble und Böse über ihn ausgeschüttet und er hat es auf sich genommen: Vater, vergib ihnen, hat er gesagt. Wir sagen, dort am Kreuz ist er auch für meine Sünden gestorben und beten ihn an. Und bleiben an diesem Punkt oft etwas ratlos zurück.
Eine Lebensaufgabe
Doch er sagt nicht, betet an, sondern ich soll meine Wunden, meine Verletzungen nicht verbergen, sondern auf mich nehmen und mit ihnen nach vorne schauen und ihm nachfolgen, d.h so wie er Liebe leben. Also nicht aufs Kreuz starren, sondern es tragen und nach vorne sehen.
Als Verwundeter sehe ich Verwundete, die auf meine Liebe warten. Sie wollen nicht von mir abgewertet oder besiegt oder für meine Eitelkeit gebraucht werden, sie wollen geliebt werden, denn sie sind wie ich. Eine Lebensaufgabe.
Das Vorbild der Eltern
Gedanken zum Weltfriedenstag am 1. September
- Von Michael Becker
Lassen Sie mich mit einer Urlaubserinnerung beginnen: Schönes Wetter, wir gönnen uns einen gemütlichen Nachmittag am See. Vor uns ein etwa 5-jähriger Junge, der immer wieder einen Stein in den See wirft. Immer wieder ruft er: „Guck mal, Papa.“
Papa ein paar Meter weiter, schaut kurz auf, ruft: „Gut!“ – und liest weiter. Nach einer halben Stunde kommt Papa zum Sohn, wirft einen flachen Stein in den See, der hüpft 3 mal, bevor er versinkt. Spricht kein Wort und legt sich wieder hin.
Der Sohn nimmt einen großen Stein, schmeißt ihn mit Wucht in den See und geht frustriert von dannen. Was er fühlt, war ihm anzusehen: Enttäuschung und Wut habe ich herausgelesen. Enttäuschung vielleicht, dass Papa seine Bemühungen nicht honoriert und Wut, dass er das nicht auch kann und Papa es ihm nicht zeigt.
Mir tat das allein beim Zuschauen leid. Doch verlassen wir den Jungen und bleiben bei diesen Gefühlen: Ich bin nicht gut genug und bekomme keine Aufmerksamkeit. Das Gefühl bleibt, aber später kompensieren wir es mit Besitz, mit Machtanspruch, vielleicht auch Eitelkeit. Nur, um diesem Gefühl zu entkommen, nur um auch jemand zu sein.
Meiner Meinung nach liegt hier der Anfang von Gewalt und letztlich auch von Krieg. Andersherum: ein Mensch, der sich rundum geliebt und gewollt weiß, der beginnt keinen Krieg, der will diese Liebe weitergeben.
Das haben wir auch erlebt: Ich erinnere mich an eine Familie, die sich beim Abendessen im Restaurant immer abwechseln musste, weil immer eins der Kinder entweder müde war oder auf Toilette musste oder die Gegend erkunden wollte.
So saß immer ein Elternteil mit einem Kind am Tisch und der andere war gerade unterwegs. Nicht so das, was man sich unter einem romantischen Abend vorstellt. Aber die Kinder werden es ihnen danken, in 15 bis 20 Jahren geben die Kinder die Liebe zurück und wenn meine obige Theorie stimmt, haben diese Familien einen unschätzbaren Dienst für den Frieden geleistet.
Was da wohl noch kommt? Foto: Peter Weidenmann
Neues keb-Programm
- Von Michael Becker
Vor mir liegt das neue Programm der Katholischen Erwachsenenbildung im Kreis Rottweil e.V. Auf dem Titel ein ansprechendes Bild zum Frieden, welcher ja auch das leitende Thema dieser Orientierung ist und im Leitwort drückt Geschäftsführerin Heike Teufel treffend aus, was katholische Erwachsenenbildung auszeichnet: „Wir verstehen sie als einen vielfältigen Weg, der Erwachsene miteinander ins Gespräch bringt, respektvollen Austausch fördert und dazu ermutigt, Verantwortung … zu übernehmen.“ Uns leitet dabei „der Glaube an die unantastbare Würde des Menschen sowie die Hoffnung auf Versöhnung und Frieden.“ Ich blättere durch das Heft und finde viele Angebote, die diesen Worten Leben einhauchen: Da gibt es die Rottweiler Reihe Religionen, welche diesmal Führungen durch Moschee und Synagoge anbietet, eine besondere Kirchenführung, einen 8-wöchigen Kurs zu Stress und Achtsamkeit und vieles mehr. Ein Save the date wert ist sicher der Abend am 14.11. unter dem Titel „Pluriversum“ in Auferstehung Christi, doch lesen Sie selbst. Das Heft gibt es derzeit in der Geschäftsstelle oder kann online bestellt aber auch eingesehen werden unter www.keb-rottweil.de.
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