Geschaffen für das ewige Leben – in der Herrlichkeit Gottes
Von Berthold Hildebrand
Ostergottesdienst im Münster
Ostergottesdienste im Heilig-Kreuz-Münster wurden musikalisch wieder besonders feierlich gestaltet und waren alle gut besucht.
Mit der Feier vom letzten Abendmahl am Gründonnerstag begann nach antiker Tradition die Zeit der heiligen drei Tage. Gefeiert wurde dieser Gottesdienst in Auferstehung-Christi. Es wird dabei an die Einsetzung der Eucharistie durch Jesus Christus erinnert. Bei der Karfreitagsliturgie standen die Leidensgeschichte, die Verehrung des Kreuzes und die Fürbitten im Mittelpunkt der Feierstunde. Ein Projektchor des Münsterchors sang zur Leidensgeschichte das „Even When He is Silent“ des zeitgenössischen norwegischen Komponisten Kim André Arnesen. Bei der Karmette am Abend erklangen die Klagelieder des Propheten Jeremia. Am Tenebrae wurden die Kerzen gelöscht, bis auf eine, die Christus symbolisiert.
Mit der Feier der Osternacht begann dann das Fest von der Auferstehung des Herrn. Bei der Lichtfeier wurde an einem Feuer auf dem Münsterplatz die Osterkerze entzündet. Mit der brennenden Kerze als dem Zeichen des auferstandenen Christus zogen Vikar Nico Schmid und die Ministranten unter dem dreimaligen Ruf „Lumen Christi“ (Licht Christi) in das dunkle Münster ein. Er sang das Exultet, das feierliche Osterlob. Zwischen den Lesungen, die von den früheren Taten Gottes kündigen, sang eine Schola der Münstersängerknaben die Antwortpsalmen. Von dieser einen Kerze wurden alle von den Gläubigen mitgebrachten Kerzen und schließlich auch die Altarkerzen entzündet. Beim Gloria-Ruf erstrahlte das Münster in hellem Licht, die Orgel setzte jubelnd ein und die Gemeinde sang „Allein ‚Gott in der Höh sei Ehr.“ Nach der Taufwasserweihe folgte die Eucharistiefeier gemäß dem Auftrag Jesu „Tut dies zu meinem Gedächtnis.“ Auch sie wurde von den Münstersängerknaben unter der Leitung von Mike Krell musikalisch begleitet. In seiner kurzen Ansprache sagte Vikar Schmid, Christus sei das Licht der Welt, das leuchtet und sich selbst verzehrt. Wir sollten Boten dieses Lichts für die Menschen und die Welt sein
Mit einem feierlichen Hochamt wurde am Ostersonntag das Hochfest der Auferstehung des Herrn begangen. Der Münsterchor sang die Paukenmesse von Joseph Haydn. Weil derzeit die Orgel renoviert wird, musizierten Chor und Orchester im Chorraum. Solisten waren Helena Müller, Sopran; Roselinde Keller, Alt; Marcel Raffoul, Tenor und Elias Mink, Bass. An der Orgel Christian Gross. Die Leitung hatte Lisa Hummel.
In seiner Predigt sagte Pfarrer Timo Weber, man sehe vordergründig, aber nicht tiefer. Man sehe das, was vor Augen ist, dahinter jedoch nicht. So sei es auch beim Tod. Unsere Augen sähen den Körper des verstorbenen Menschen, einige Tage später nur doch das Grab auf dem Friedhof, die Blumen. Und dann sei Ruhe. Ewige Ruhe. Wenn da noch irgendetwas kommen sollte, dann müsse ein anderer etwas tun, dann brauche er Hilfe von außen – mehr noch: er brauche Hilfe von oben. Von Gott. Denn wenn hier noch irgendeiner etwas tun und ändern könne, dann einer, der stärker ist als der Tod, der Herr ist über Leben und Tod – dann sei es Gott. Dann müsse Gott ihn auferwecken von den Toten. Das sei das Geheimnis, das wir an Ostern feiern: Gott lässt seinen Sohn nicht im Tod. Gott lässt niemanden im Tod. Sondern dieser Gott mache Aufstand gegen den Tod. Er mache Aufstand gegen alles, was uns Menschen das Leben nimmt. Da wo der Mensch mit all seinem Latein am Ende ist, da fange Gott erst so richtig an. Und wo all unser menschliches Tun und Machen nicht mehr weiterkommt, da schaffe es aber immer noch Gott. Wir seien Kinder dieses Gottes, die er doch liebe – und die er deshalb nicht wegwirft oder ausrangiert, sondern die er an sein Herz drückt, damit wir wieder so werden, wie wir am Anfang waren. Neu und schön. Eine neue Schöpfung. Geschaffen für das ewige Leben – in der Herrlichkeit Gottes. Das ist die Verheißung von Ostern, die uns zugesagt und geschenkt ist – und die wir heute feiern können: Dann, wenn wir nicht mehr weiterkönnen – dann dürften wir auf Gott vertrauen. Wenn wir am Ende sind, dann dürften wir auf Gott hoffen. Wenn bei uns alles vorbei ist, wenn wir tot sind und im Grab liegen, dann werde er uns in seine Hände nehmen und an sein Herz drücken – und zwar so voller Liebe und so voller Erbarmen, dass wir wieder Leben haben, sogar ewiges Leben.
Zum Abschluss hörten die Gottesdienstbesucher das stets aufs Neue ergreifende „Hallelujah“ aus dem „Messias“ von G. F. Händel. Alle Gottesdienstbesucher erhielten am Ausgang ein buntes Osterei. Der Kirchengemeinderat schenkte noch Sekt aus.
Der Ostersonntag fand schließlich mit der feierlichen Ostervesper seinen würdigen Abschluss. Es sang die Choralschola des Münsterchors. ./.
Fotos: Berthold Hildebrand






