Von Berthold Hildebrand
Die Katholiken von Heilig-Kreuz, Auferstehung Christi sowie von den italienischen und kroatischen Kirchengemeinden feierten gemeinsam im Bockshof die Eucharistie an Fronleichnam, dem „Hochfest des Leibes und Blutes Christi.“ Im Zentrum steht der Glaube, dass Jesus in Form von Brot (Hostie) und Wein wirklich anwesend ist. Das Fest steht in Zusammenhang mit dem letzten Abendmahl, das Jesus mit seinen Jüngern am Gründonnerstag feierte. Nach kirchlicher Lehre hat Jesus dabei das Sakrament der Eucharistie eingesetzt, als er den Jüngern Brot und Wein reichte und die Worte sprach „Das ist mein Leib“ und „Das ist mein Blut“.
Eucharistiefeier im Bockshof (Foto Berthold Hildebrand)
Schon vor 9 Uhr versammelten sich die Zünfte mit ihren Laternen und Fahnen in der Oberamteigasse. Dann setzte sich die Prozession nach drei Böllerschüssen zu den Klängen der Stadtkapelle in Bewegung und zog hinunter zum Bockshof, wo Pfarrer Jürgen Rieger mit dem kroatischen Pfarrer Josip Jelic und dem italienischen Diakon Giovanni Fascia und vielen Gläubigen die Eucharistie feierte.
Die Monstranz bei der Prozession (Foto Berthold Hildebrand)
In seiner Ansprache stellte er die Frage des Heiligen Augustinus: “Wer ist dieses Brot?“ Augustinus antwortet „die Vielen, die der eine Leib sind.“ Wie das Brot aus vielen Körnern gebacken werde, so bestehe der Leib Christi aus vielen Menschen. Der Begriff „Leib Christi“ bezeichne damit nicht nur die Eucharistie, die heute ganz besonders im Zentrum stehe, sondern auch eine bestimmte Gemeinschaft von Menschen, nämlich unsere Gemeinschaft. Zum „Leib Christi“ gehörten auch alle jene Getauften, die vor uns gelebt haben und die nach uns leben werden, alle Menschen, die jemals getauft wurden. Wir seien die „Vielen“ und wir bildeten den einen Leib Christi. Ein Leib Christi ohne Christus sei nicht denkbar. Er halte unsere sichtbare menschliche Gemeinschaft zusammen und behalte – wie unser Kopf im Idealfall auch – den Überblick. Hier treffen sich nun die beiden Bedeutungen von „Leib Christi“: Sein Leib, den wir in der Eucharistie verehrten, mache uns zu der Gemeinschaft, dessen Haupt er ist. Augustinus sagte in seiner Predigt darüber: „Seid, was ihr seht und empfangt, was ihr seid. Leib Christi.“
Von links in der 2. Reihe: Der frühere OB Ralf Bross, der neue Landrat Christoph Keckeisen und OB Dr. Christian Ruf (Foto Berthold Hildebrand)
Musikalisch wurde der Gottesdienst vom Münsterchor unter der Leitung von Lisa Hummel und der Stadtkapelle unter der Leitung von Johannes Nicol gestaltet. Sie brachten gemeinsam die Missa brevis für 4-stimmigen Chor und Blasorchester von Jacob de Haan zur Aufführung. Nach den Böllerschüssen der Bürgerwehr ging es wieder in einer feierlichen Prozession durch die mit Birkenreisig geschmückte Innenstadt zum Münster zurück. Diakon Giovanni Fascia trug die barocke Sonnenmonstranz, in deren Mitte zum Zeichen der Gegenwart Christi die Hostie gezeigt wird. Er wurde begleitet von den Männern mit dem Tragehimmel und den Ministranten. Vor und hinter dem Allerheiligsten gingen die Vertreter der 15 aktiven Handwerkerzünfte mit ihren kostbaren Laternen und den Zunftfahnen, was die Rottweiler Fronleichnamsprozession so einmalig macht. Zu den Gemeindeliedern und auf dem Prozessionsweg spielte die Stadtkapelle .Vor dem Rathaus hatte die italienische Gemeinde einen Altar aufgebaut. Hier wurde Station gemacht. Danach zog die Prozession wieder zurück ins Heilig-Kreuz Münster, wo Pfarrer Rieger noch den Schlusssegen erteilte. Danach versammelten sich noch alle zu einem Umtrunk im Innenhof des Neuen Rathauses, wo man miteinander ins Gespräch kam.











