Ein besonderer Brauch: Monatsprozessionen im Heilig- Kreuz- Münster in Rottweil
Im Heilig-Kreuz-Münster in Rottweil ist es seit langer Zeit, eigentlich seit Jahrhunderten, ein besonderer und außergewöhnlicher Brauch, dass jeden Monat eine „Monatsprozession“ stattfindet. Dabei werden die Zunftlaternen, die es in dieser Fülle und Pracht in anderen Kirchen vermutlich so nicht gibt, durch das Münster bewegt. Es handelt sich dabei um eine Andacht mit Prozession, in der Bitten vor Gott getragen werden, Gott um etwas „angegangen“ wird. Begleitet wird die Prozession von den Rottweiler Handwerkerzünften mit den prächtigen Zunftlaternen, deren schönste aus dem 18. Jahrhundert stammen. Das erste Laternen-Paar wird von den Zimmerleuten getragen. Diese Zunft ist mit Jesus besonders verbunden, war er selbst doch Zimmermann, wie sein „Nährvater“ Josef. Zentrum der Prozession bildet die Monstranz, ein kostbares Schaugefäß mit der Hostie, in der die Gläubigen die Anwesenheit Jesu Christi erkennen und verehren. Diese Monstranz, getragen von einem Priester mit einem wertvollen „Rauchmantel“, wird in der Mitte von zwei Gruppen der Zünfte durch das Kirchenschiff im Münster „brezelförmig“ geleitet. Eine biblische Lesung, eine besondere Predigt, Fürbitten, Lieder der Gemeinde und Orgelmusik prägen die Liturgie in dieser Andacht. Durch die Verwendung von Weihrauch werden alle Sinne bei dieser Feier angesprochen.
Im Monat Oktober wurde besonders an den Heiligen Franziskus von Assisi erinnert, dessen Gedenktag am 4. Oktober gefeiert wird. In der Nacht von 3. auf 4. Oktober 1226 ist er in Assisi gestorben, also vor 800 Jahren. Einer der „Blickfänge“ im Heilig-Kreuz-Münster ist der Marienaltar, dessen beide Flügel zwei Szenen aus dem Leben des Hl. Franz zeigen. Die Stigmatisation, als er die Wundmale Christi erhält, ist auf dem linken Flügel und der Tod des Heiligen ist rechts dargestellt.
Die Predigt von Pfarrer Timo Weber am 18. Oktober 2026 ließ die Gemeinde zuerst erstaunen, erzählte er doch das bekannte Märchen vom „Hans im Glück“. Der Titel wird meist ironisch gesehen. Hans erhält als Lohn einen Goldklumpen, den er dann immer wieder eintauscht, zuerst für ein Pferd und zuletzt für einen Mühlstein, der dann ins Wasser fällt und Hans so gar nichts mehr hat – und dabei glücklich, frei und fröhlich ist. Pfarrer Weber übertrug die Geschichte auf Franz von Assisi, den er einen „großen Bruder“ von Hans im Glück nannte. Franziskus nämlich hat sich vom Reichtum seines Vaters losgesagt und verlässt dann singend und frohgemut die Stadt. „Einzig in Gott- das zeigt das Leben des heiligen Franziskus- sind Freiheit, Freude und Würde des Menschen fest verankert.“ erläuterte Pfarrer Weber weiter und schloss die Predigt mit den Worten : „Die Kraft seines Lebens nach dem Evangelium wollen wir erbitten. Von seinem Gottvertrauen wollen wir uns anstecken und vom Feuer seiner Christusliebe uns entzünden lassen. Denn nur Ergriffene ergreifen. In mir muss brennen, was ich in anderen entzünden will. Amen.“
Die nächsten Monatsprozessionen im Heilig-Kreuz-Münster in Rottweil finden statt am 15.11.26, 13.12.26 und am 24.1.27.
Text und Fotos: Veronika Heckmann-Hageloch




