Impulse und Mitteilungen
Hier finden Sie „Orientierung“: Impulse und Mitteilungen der Kirchengemeinden Rottweils über aktuelle Themen, Anstöße für den Alltag und Hinweise zu bevorstehenden Festen. Alle Artikel erscheinen alle zwei Wochen in der Samstagsausgabe des Schwarzwälder Boten.
Orientierung 6 vom 22. März 2025
Impulse für den Alltag
Die Kunst der Feindesliebe
Von Michael Becker
„Wir müssen erkennen, dass die böse Tat eines Menschen niemals sein ganzes Wesen ausdrückt. Ein guter Zug wird sich auch bei unserem bösesten Feind finden lassen.“ Dieser Satz stammt von Martin Luther King (zitiert nach Te deum 03-2025, 155.)
Kennt man ein wenig das Leben des Bürgerrechtlers und auch die Umstände seines Todes, weiß man, dass der Satz mit reichlich Lebenserfahrung unterfüttert ist. Als bösesten Feind erleben wir auch eher bloß theoretisch ferne Diktatoren oder ähnliches sondern eher die, die mit uns leben: der Kollege, der karrieremäßig an mir vorbeizieht, der Bruder, der vom Vater vorgezogen wird oder noch banaler der Autofahrer, der mir den letzten Parkplatz wegschnappt.
Die Kunst der Feindesliebe besteht darin, den „Feind“ nicht auf die Verletzung zu reduzieren, die ich durch ihn erfahren habe, sondern die Verletzung auf das, was sie ist zu reduzieren, ein Aspekt unserer Beziehung, nicht mehr und nicht weniger. Gegen die will ich mich wehren, das bedeutet nicht, den ganzen Menschen in Frage zu stellen.
Für jemand beten und ihm etwas Gutes zutrauen
Wie bedeutsam das ist, zeigt sich mir, wenn ich höre, dass Menschen über Jahre und Jahrzehnte nicht miteinander sprechen, weil einmal ein böses Wort gefallen ist. Auch in der Kommunikation von Paaren gilt bei Konflikten das Sich-Beziehen auf konkrete Ereignisse und Verhaltensweisen statt einem Du und immer oder nie.
„Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen.“ So formuliert Jesus das. Für jemand beten heißt auch, diesem etwas Gutes zuzutrauen.
Mittlerer Zustand oder Fülle?
Menschen, egal in welchem Alter, fragen sich bisweilen: War’s das schon? Bin ich zufrieden so, wie es ist? Oder gibt es da noch mehr?
- Von Jürgen Rieger
Natürlich geht beruflich, finanziell, leistungs- und freizeitmäßig immer noch mehr. Aber die Frage hier hat einen anderen Ton. Vielleicht so: Gibt es eine Seite von mir, die noch nicht zum Leben gekommen ist? Gibt es eine schlummernde Sehnsucht, die danach drängt, Realität zu werden?
Charles Taylor, ein kanadischer Philosoph, spricht hier ganz biblisch von dem Streben nach »Fülle«, das allen Menschen irgendwie gemeinsam ist. Ganz egal, ob sie religiös sind oder nicht. Eine Vorstellung davon, was ein erfülltes und wirklich lebenssattes Leben wäre, haben die meisten. Und doch beobachtet Taylor, dass sich viele Menschen irgendwann im Leben in einem »mittleren Zustand« einpendeln.
Der Absturz in die innere oder äußere Krise ist nicht so unwahr-scheinlich, wie es scheint. Und das ganz große Glück ist doch ein Traum, den man mit den Jahren ausgeträumt hat. Viele leben in einem »mittleren Zustand«. Es ist vielleicht nicht der ganz große Wurf – und es ist auch nicht die Katastrophe. Es ist, wie es ist. Dieses Leben, so wie es eben geworden ist, in all seiner Alltäglichkeit zu schätzen und es nicht schlechtzureden, nur weil es immer „besser“ sein könnte, das ist eine geistliche Haltung; das zu schätzen, was mir zugewachsen ist und wofür ich Verantwortung übernommen habe. Auch eine geistliche Haltung ist es, offen zu bleiben für das, was noch an Neuem in mein Leben kommen will; die großen Fragen und den Wunsch nach Fülle nicht vorschnell aufzugeben – und nicht zu vergessen, den Blick auch ab und an wieder auf die Sterne zu richten.
Vielleicht ist das schon recht nahe an dem, was ein »erfülltes« Leben wäre: das Alltägliche lieben zu lernen – und doch offen zu sein für ganz Außeralltägliches; und das Leben so gut es geht zu feiern, denn es vergeht so schnell.
Abendrot
Foto: Berthold Hildebrand
Lichtblicke in der Fastenzeit
- von Manuela Hirth
In der Fastenzeit sind wir nicht nur eingeladen, auf etwas zu verzichten, sondern uns auch spirituell neu auszurichten und Gemeinschaft zu erleben. Die österliche Bußzeit, wie die Fastenzeit ja offiziell heißt, bietet Gelegenheit, über das eigene Leben nachzudenken und sich auf die zentralen Werte des christlichen Glaubens zu besinnen. Auch das Neue Testament betont immer wieder, dass Zeiten des Gebetes und der Besinnung viel bedeutsamer sein können als Verzicht. An den Samstagen der Fastenzeit lädt die Kirchengemeinde Heilig Kreuz in diesem Sinne um 12.00 zu einer Andacht in das Münster ein. „Lichtblicke, Musik und Wort, 15 Minuten in der Fastenzeit – Für mich!“ Eine gute Gelegenheit, sich zur Marktzeit nach den Einkäufen für das Wochenende eine Auszeit zu nehmen. Schrifttexte, Impulse und Musik wollen dabei helfen, sich 15 Minuten aus dem Alltag zu verabschieden und ganz bei sich zu sein, das Gebet zu intensivieren und die Verbindung zu Gott zu stärken. Gerade am Samstag, wenn die Innenstadt voll ist mit Leben und Begegnungen ist es eine Erfahrung, hinaus aus der Betriebsamkeit hinein in die Stille der Kirche zu kommen.
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