Gottesdienst im Münster mit Verabschiedung von Vikar Nico Schmid –

und mit manchen Überraschungen

 

(vhh) Am ersten Sonntag in den Sommerferien wurde im sehr gut besuchten Gottesdienst im Heilig-Kreuz-Münster Vikar Nico Schmid verabschiedet, der zwei Jahre in der Seelsorgeeinheit Rottweil-Hausen-Neukirch gewirkt hat. Der letzte Sonntag während der Schulzeit war für diesen Anlass nicht möglich, weil Vikar Schmid den Festgottesdienst zum Brigidenfest in Neukirch und Pfarrer Weber das Patroziniumsfest in St.Pelagius in der Altstadt gefeiert haben.

Die Dankbarkeit für seinen Dienst wurde auch durch manche Überraschungen deutlich, wie zum Beispiel, dass der  Münsterchor, die SE4-Band und die Stadtkapelle Rottweil den Gottesdienst musikalisch bereicherten.

 Außergewöhnlich war bei dieser Eucharistiefeier auch die Dialog-Predigt zum Evangelium der Brotvermehrung, wie sie im Matthäus-Evangelium (Mt 14, 13-31) berichtet wird. Nur fünf Brote und zwei Fische haben die Jünger Jesu für die große, hungrige Menschenmenge. Jesus spricht den Lobpreis, bricht die Brote und gibt sie den Jüngern zum Verteilen. „Und alle aßen und wurden satt“, wird berichtet. Diese Aussage wurde im Dialog zwischen Pfarrer Weber und Vikar Schmid vielfältig gedeutet: Was zunächst vielleicht als wenig empfunden wird, kann viel werden, wenn es geteilt wird. Gott beschenkt uns mit Begabungen, Talenten und Charismen. Und was man von Gott geschenkt bekommen hat, kann so viel Positives bewirken, wenn man es nicht nur für sich selbst nützt, sondern mit anderen teilt. So kann es zum Segen werden. Diese Spur des Evangeliums wurde auch auf das Hier-Sein von Vikar Nico Schmid übertragen: Die unzähligen Begegnungen, in denen Glauben und Leben miteinander geteilt wurden, mochten auf den ersten Blick vielleicht klein scheinen, doch haben sie vieles bewirkt und sowohl das persönliche Leben als auch das Leben als Seelsorgeeinheit gestärkt.

 Am Ende des Gottesdienstes überbrachten zuerst die Worte zum Dank die Ministranten, vertreten durch Lisa Göhler und Julian Brand, die Vikar Schmid ein „Freundschaftsalbum“ übergaben mit selbst gestalteten Seiten von der ganzen Ministrantenschar.

Timo Weber, der Leitende Pfarrer der Seelsorgeeinheit, sprach sehr persönliche Dankesworte zur Verabschiedung von Vikar Nico Schmid.  Wörtlich sagte er:

„Den ganzen Gottesdienst über ahnen wir eine gewisse Traurigkeit. Den Grund dafür, kennen wir alle. Wir müssen uns heute von Dir, lieber Nico, verabschieden. Deine zwei Jahre Vikarszeit bei uns in der Seelsorgeeinheit gehen zu Ende.

Ich kann mich noch gut an Deine Priesterweihe im Juli 2022 hier im Münster erinnern. Ein großes und besonderes Ereignis. Vier dynamische Männer wurden da geweiht. Ich hätte mir im Traum nicht vorstellen können, dass mir zwei Jahre später einer von den damaligen Neupriestern – und sogar noch der Dynamischste – mit einem lachenden Gesicht gegenüberstehen würde. Der neue Vikar Nico Schmid. Mit Dir wurde Rottweil nach vielen Jahren wieder ein Ausbildungsort für Vikare, ein Ort, der sich mittlerweile in der Diözese etabliert hat, wie wir dankbar feststellen dürfen.

Im September 2024 begann Dein Dienst bei uns und Du hast die Herzen der Menschen im Sturm erobert. Mit großem Einsatz und mit ganz viel Herz hast Du Dich bei uns eingebracht, hast uns mit Deiner Offenheit und deinem fröhlichen Wesen angesteckt und bereichert. Du bist für viele eine vertrauenswürdige Ansprechperson und ein wichtiger Mensch. Du hast die richtigen Worte gefunden, im alltäglichen Umgang, in Begegnungen, aber auch bei Deinen Predigten und Gottesdiensten – auch bei Trauerfeiern, bei denen es schwer war, tröstende Worte zu sagen. Du hast Dich immer Deinen Aufgaben gestellt, warst immer bereit, noch mehr zu tun, andere zu entlasten und hast Dir immer Dein zugewandtes Wesen bewahrt. Für unsere Ministrantinnen und Ministranten und für die Jugend warst Du mit zuständig, hast Sie begleitet und unterstützt, hast sie besucht auf der Osterfahrt und im Zeltlager. Die Zeit dafür hast Du Dir immer genommen. Die Jugendlichen waren obere Priorität. Die Erstkommunionvorbereitung hast Du in diesem Jahr federführend übernommen. Noch einmal mehr Verantwortung und Termine in Deinem eh immer schon gut gefüllten Kalender. Nicht zu vergessen die wöchentlichen Religionsstunden, die Du am DHG gegeben hast. Dort wurdest Du eine Brücke zwischen Schule und Kirche.

Ich als Dein Prinzipal konnte mich immer auf Dich voll und ganz verlassen. Vertrauensvoll und eng haben wir zusammen gearbeitet. Wir haben viel Zeit miteinander verbracht – dienstlich und privat. Wir haben zusammen gelacht, diskutiert, auch miteinander getrauert, waren füreinander da, sind füreinander eingesprungen. Auf Deine Hilfe konnte ich immer zählen. Es ist eine richtige Freundschaft entstanden. Und dazu gehört natürlich auch, dass wir das eine oder andere Glas Wein miteinander getrunken und bis spät in die Nacht über Gott und die Welt philosophiert haben. Zwei Mal in der Woche haben wir miteinander die Vesper gebetet. Eine wertvolle Erfahrung miteinander im geistlichen Leben unterwegs zu sein. Lateinische Marienhymnen für Advent und Fastenzeit hast Du mir beigebracht, die ich hoffentlich weiterhin einigermaßen beherrsche.

Sie sehen, liebe Schwestern und Brüder. Es gibt so vieles zu erzählen – und das, weil Du, lieber Nico, mit einem offenen und interessierten Herzen auf andere Menschen zugegangen bist. Im Münsterchor hast Du gesungen und hast – soviel ich weiß – keine Nachsitzung Dir entgehen lassen. Als Posaunist hat Dich die Stadtkapelle gewinnen können, die Dir durch Ihre Mitgestaltung heute auch zeigt, wie wertvoll Du für die Kapelle warst und bist. Sogar beim Fasnetskonzert hast Du eine tragende Rolle gespielt – was auch nicht jeder tun würde und auch könnte.

In unserem Pastoralteam warst Du eine wichtige und feste Größe. Du hast Dich stets mit Deinen Ideen und Meinungen eingebracht, und hattest immer den Wunsch, die Gemeinden, unsere pastorale Arbeit weiterzuentwickeln und zu stärken. Bei allem, was Du in den letzten zwei Jahren getan hast, hast Du nie den Anschein gegeben, dass Deine Zeit hier eh begrenzt ist und Du irgendwann wieder fortgehst. Du warst ganz hier, in der Seelsorgeeinheit, bei den Menschen und in der Stadt Rottweil. Das ist ein wunderbares Wesensmerkmal von Dir, wie ich finde: Mit ganzem Herzen da sein – beim anderen und an dem Ort, wo man gerade ist, lebt, arbeitet. Und nicht zu fragen, könnte ich es mir nicht einfacher machen?

Dass Rottweil Dir ans Herz gewachsen ist, das wissen alle, die Dich kennen. Dass Du den Narrenmarsch nach vier, fünf Wochen bereits gelernt hattest, unterstreicht Dein Interesse und Deine Verbundenheit mit der Stadt aber auch mit unserer Fasnet. Dass Du eine große Stütze bei der Narrenstube im Pfarrhaus warst, haben alle gesehen, die zum Aufsagen gekommen sind. Und wer in diesem Jahr beim Narrensprung am Dienstag war, der hat Dich bei der Stadtkapelle in voller Montur gesehen. Stolz wie es sich gehört in der alten Reichs- und Narrenstadt. Mehr geht eigentlich nicht. Fast nicht!!! Denn eines fehlt Dir tatsächlich noch.

Als ich Dich fragte, was Du Dir gern als Geschenk und Erinnerung an Deine Zeit in Rottweil wünschst, hast Du genau dieses fehlende Etwas ins Wort gebracht. Eine Larve.

Diese Schantlelarve darf ich Dir im Namen aller Gemeinden unserer Seelsorgeeinheit überreichen. Hab vielen Dank für Deinen Dienst und Dein Hiersein in Rottweil und drumherum. Wir wünschen Dir alles Gute, einen guten Start bei Deiner neuen Aufgabe in München und Rottenburg, Gesundheit und vor allem Gottes Segen. Unsere Türen stehen Dir immer offen!“

Vikar Schmid drückte auch seine Dankbarkeit für die schöne Zeit in Rottweil aus.

Nach dem Gottesdienst bestand noch die Möglichkeit bei einem Umtrunk miteinander ins Gespräch zu kommen, der Stadtkapelle zu lauschen und persönlich Vikar Schmid Adieu zu sagen.

Text: Veronika Heckmann-Hageloch, Fotos: Berthold Hildebrand